„Wie schenke ich einen Gut­schein für ein Slow Dating Event?“

„Es würde so gut zu ihm pas­sen, aber ich kann doch nicht mei­nem 60-jäh­ri­gen Onkel einen Dating Event Gut­schein schen­ken?“ Wir fra­gen uns: Warum nicht?

Schen­ken ist eine Inter­ak­ti­ons­form, die uns mit dem Beschenk­ten ver­bin­det. Gary Chap­man defi­nierte Schen­ken als eine der „5 love lan­guages“, durch die wir Zunei­gung zu ande­ren aus­drü­cken (in jeg­li­chen Bezie­hun­gen, nicht nur roman­ti­schen). Somit birgt ein ehr­li­ches, per­sön­li­ches Geschenk das Risiko, dass diese Zunei­gung nicht ent­spre­chend erwi­dert wird: Freut sich der Beschenkte also nicht so sehr über das Geschenk wie wir es erwar­tet hät­ten, so füh­len wir eine Ableh­nung – die sich dann ebenso per­sön­lich anfüh­len kann. „In der Gabe mischen sich Per­son und Sache, wer gibt, gibt einen Teil von sich, wer nimmt, macht eine ‚Frem­derfah­rung mit dem Ande­ren‘.“ (Mar­cel Mauss, 1923)

„Wäre ein Slow Dating Gut­schein als Geschenk nicht so wie Haar­wuchs­mit­tel? Ich weise auf einen Makel hin und drü­cke damit aus, dass die­ser kor­ri­giert wer­den muss?“ Das kommt ganz auf den/die Schenkende/n an: Aus wel­chen Grün­den wurde die­ses Geschenk aus­ge­wählt? Beim Haar­wuchs­mit­tel wahr­schein­lich, damit die Haare wie­der wach­sen. Und beim Slow Dating Gut­schein? Wenn ich als schen­kende Per­son den Sta­tus „Sin­gle“ als Makel, der kor­ri­giert wer­den muss, ansehe, dann könnte der Gut­schein eine ähn­li­che Ener­gie wie das Haar­wuchs­mit­tel ver­mit­teln. Aber liegt der Fokus auf einem beson­de­ren Erleb­nis, pas­send zum Beschenk­ten, dann bekommt das Geschenk eine ganz andere Ener­gie. Es geht nicht darum, einen Makel zu besei­ti­gen, es geht darum, etwas ganz Wun­der­ba­res zu erschaf­fen: Erin­ne­run­gen ver­knüpft mit Emo­tio­nen ent­ste­hen zu lassen.

Wie bei allen Geschen­ken kommt es dar­auf an, was zum Beschenk­ten passt. Jeman­den mit einer Affi­ni­tät für Wein oder jemand, der schon immer mal eine Kanu-Tour mit­ma­chen wollte, den Gut­schein zu schen­ken mit dem Hin­weis auf genau jene pas­sen­den Events, zeigt, dass man auf die per­sön­li­chen Vor­lie­ben des Beschenk­ten ein­ge­gan­gen ist. Und setzt den Fokus auch wie­der auf das Erleben.

Schen­ken ver­bin­det. Ist es dann nicht eine schöne Sym­bo­lik, etwas zu schen­ken, das Men­schen mit­ein­an­der verbindet?